Wie verbreiten sich Viren? | neuneinhalb – Deine Reporter | WDR

Wie verbreiten sich Viren? | neuneinhalb – Deine Reporter | WDR


Hallo bei neuneinhalb. Wie eine Kugel mit Pinöppeln. So sieht der Krankheitserreger aus, von dem ihr die letzten Wochen
bestimmt gehört habt. Das neuartige Coronavirus. Eigentlich sieht es nicht so aus,
sondern so. Die Viren sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge
nicht sehen kann. Trotzdem können sie
weite Wege zurücklegen. Begonnen hat es in Wuhan. Hier erkrankten Ende 2019 die
ersten Menschen an dem Coronavirus. Viele bekamen Husten
und leichtes Fieber. Bei einigen verursachte der Erreger
eine Lungenentzündung, die bei schwachen Menschen
zum Tod führen kann. Mit den Erkrankungen
begann ein Wettlauf: Mensch gegen Virus. So ein neues Virus
hat einen Vorsprung. Wir wissen anfangs nicht genug,
um uns zu schützen. Zuerst dachte man,
dass das neue Virus nur von Tieren
auf Menschen übergehen kann. Das Virus wird auch
von Mensch zu Mensch übertragen. Wenn sich jemand angesteckt hat,
kann er es auch weitergeben, wenn er sich noch gesund fühlt. Menschen, die nicht ahnten,
dass sie es hatten, reisten in andere Gegenden Chinas
und der Welt, und verteilten das Virus so weiter. Mittlerweile
gibt es in China Reisesperren. Weltweilt sind Länder
aufgerufen aufzupassen, ob Menschen einreisen,
die das Virus haben könnten. Es ist wichtig,
dass infizierte Menschen gut abgeschottet werden,
bis sie nicht mehr ansteckend sind. Mediziner auf der ganzen Welt
geben Vollgas, um im Wettlauf Mensch gegen Virus
aufzuholen. Indem sie nach einem Impfstoff
suchen. Wie in München. An der Universität
treffe ich Frau Dr. Asisa Volz. Sie ist Virologin.
Viren sind ihr Spezialgebiet. Sie hat schon einigen von ihnen
den Kampf angesagt. Wie oft kommt es vor, dass plötzlich
ein neuartiges Virus auftritt und ihr einen neuen Impfstoff
entwickelt? Schwer zu sagen. Alle 2 bis 3 Jahre. Asisa hat Erfahrung damit, Impfstoffe gegen gefährliche Viren
zu entwickeln. Das Prinzip ist immer das gleiche. Als Grundlage nimmt sie ein anderes,
ungefährliches Virus. D.h. MVA-Virus. So sieht es unterm Mikroskop aus. Ist das dein Lieblingsvirus? Ja. Weil es
ein guter Impfstoffkandidat ist. Wie könnt ihr dieses Virus nutzen, um daraus
einen Impfstoff zu entwickeln? Indem wir einen kleinen Bauteil
vom Coronavirus in unser MVA-Virus einsetzen. Ziel ist, dass am Ende ein leicht
verändertes MVA-Virus rauskommt. Es ist ungefährlich, trägt aber ein unverwechselbares
Bauteil vom Coronavirus in sich. Bekommt man solche Viren geimpft, wird der menschliche Körper
leicht mit ihnen fertig. Er erinnert sich lange an die
Eindringlinge mit dem Coronabauteil. Falls sich geimpfte Menschen mit
den krankmachenden Viren anstecken, erkennt ihr Körper sie sofort
und kann sie bekämpfen. So schnell,
dass die Viren k. o. sind, bevor sie den Menschen
krank machen können. So baut Asisa die neuen Viren
für die Impfung. Sie tropft die MVA-Viren
und die Coronabauteile in ein Behältnis, damit sie
sich zusammentun können. Dass es funktioniert,
zeigt sie mir auf Mikroskopbildern. Überall, wo es rot leuchtet, haben sich die MVA-Viren mit
einem Coronabauteil zusammengetan. Ist das Rote der fertige Impfstoff? Ja. Aber wir brauchen
noch richtig viel davon. Wann ist der Impfstoff fertig? In 3 bis 4 Monaten. Dann müssen wir mit dem fertigen
Impfstoff noch viele Tests machen, um dann den Impfstoff später
im Menschen zu testen. Wie wahrscheinlich ist es, dass ihr einen Impfstoff gegen
das Coronavirus entwickelt? Sehr wahrscheinlich. Weil wir in den letzten Jahren
gelernt haben, wie man schnell
solche Impfstoffe entwickelt. Deswegen bin ich zuversichtlich. Impfstoffe entwickeln ist Asisas
Strategie im Kampf gegen die Viren. Tatsächlich können wir alle was
gegen Viren tun: Ellbogen ausfahren. Immer dann, wenn wir niesen müssen. Niesen ist ein häufiger Weg,
wie Viren übertragen werden. Im echten Leben sieht man es nicht
so wie auf dem Bild. Aber Viren können
mehrere Meter weit fliegen, wenn wir sie herausniesen. Beim Husten und Sprechen
können Viren mitgewirbelt und an andere Menschen
weitergegeben werden. Diese “Tröpfcheninfektion”
ist ein typischer Übertragungsweg. Ob beim Coronavirus, bei Grippe
oder normalen Erkältungsviren. Deswegen sollte man nie freiheraus
niesen, wenn man krank ist. Warum der Ellbogen
besser ist als die Hand, zeige ich euch an dieser Schule. Ich bin an der Kurt-Tucholsky-Schule
in Köln. Hier will ich
ein Experiment durchführen. Das ist die Klasse,
die mitmacht: die 7a. D.h. die Jungs und Mädels
wissen nicht, dass sie schon
im Experiment stecken. Ihre Aufgabe hat erst mal
nicht mit Viren zu tun. Sie haben Bio
und sollen ein Poster basteln. Was sie nicht wissen: Bevor wir losgelegt haben,
hab ich mir die Hände eingecremt. Die Creme leuchtet unter UV-Licht. Mit diesen Händen habe ich
die Arbeitsmaterialien verteilt. Was, wenn ich statt der Creme
Viren an den Händen gehabt hätte? Ich dunkle den Raum ab
und gehe auf Spurensuche. Schauen wir mal, wo es gelandet ist. Was habt ihr hier angefasst? Oh, seht ihr das schon? Seht ihr, wie es leuchtet?
(Mädchen) Ja. Krass. Der Check mit der UV-Lampe zeigt, ich habe die Creme
überall hinterlassen. Die Schüler
haben sie weiterverteilt. Auch Sachen, die ich nicht berührt
habe, leuchten von der Creme. Genau so können sich Viren
weiterverbreiten, wenn man in die Hände niest. Über die Materialien sind
die vermeintlichen Viren auch an die Hände
der Schüler gelangt. Das kann man in der UV-Box sehen. Auf der Haut
machen Viren nicht krank. Aber sie können
in Mund und Nase gelangen, wenn man sich ins Gesicht fasst. Das passiert uns ständig. Was denkt die Klasse jetzt? Ich fands schrecklich.
Weil da war viel drauf. Ich war geschockt,
weil ich gesehen hab, wie schnell sich die Viren
verbreiten können. Als ich die Hände
in den Box reingetan habe, hab ich Angst bekommen
und wollte mir die Hände waschen. Händewaschen hilft.
Aber wie gründlich muss es sein? Ich bitte eine Gruppe, sich die Hände
mit der Leuchtcreme einzureiben. Leuchten sie? Oh ja. Ab zum Händewaschtest. 5 sek nur mit Wasser. Auf die Plätze, fertig,
Hände waschen. Viele Menschen halten ihre Hände
nur kurz unter Wasser. Ob das was bringt? Die anderen Testkandidaten
waschen mit Seife. Einmal 5, einmal 15
und einmal 30 sek. Das macht einen Unterschied. Du hast dir 5 sek die Hände
gewaschen, nur mit Wasser. Wie gründlich war das? Es war, als hätte ich nicht
meine Hände gewaschen. Ich fand das schon Katastrophe. Zum Vergleich: die 30 sek mit Seife.
Viel besser, aber? Ich werd gründlicher
die Hände waschen, weil an den Nägeln oft was bleibt. Ein Hoch aufs
gründliche Händewaschen. Frisch gewaschene Hände
sind schon schön, wenn man über Viren spricht. Fakt ist, es gibt sie. Es entstehen immer mal neue,
wie das Coronavirus. Wir können auch was dagegen tun. Wichtig ist, keine Panik. Einige Menschen meiden gerade
asiatisch aussehende Menschen. Das ist Quatsch. Wenn ihr mehr
zum Coronavirus wissen wollt, schaut auf
unserer Internetseite vorbei. Bis nächste Woche. Copyright WDR 2020

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